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von cassy11
05.09.2010 00:28

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Türkis Magazin

Informationen über die Türkei für urlauber und Auswanderer, besondere Ausflüge und Touren ab der Türkischen Riviera, Lokalnachrichten von Alanya und Umgebung sowie ein deutsches TV-Programm finden Sie im 14-tägig erscheinenden TÜRKIS JOURNAL. Jeweils am 01. und 15. jeden Monats für 2,00 TL ( ca. 1 Eur). Online können Sie die Zeitung hier lesen: www.tuerkisjournal.com


  
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Begriff "Islam"
Die Bevölkerung der Türkei lebt den Islam völlig unterschiedlich. Teilweise sogar überhaupt nicht. Gerade in den großen Städten und den westlich orientierten Orten der Ägäis- und Mittelmeerküste gibt es eine Bevölkerungsschicht, die weniger fromm lebt als ein lauer deutscher Durchschnittschrist. Diese Gesellschaft meistert selbst bedeutende Lebenssituationen wie Hochzeit und Beerdigung ohne geistlichen Beistand und verirrt sich selbst an religiösen Feiertagen nicht in die Moschee. Die Religion spielt im Leben dieser Menschen überhaupt keine Rolle.

Den extremen Gegensatz bilden die türkischen Fundamentalisten, denen die weltliche und westliche Prägung der Türkei ein Dorn im Auge ist. Wenn sie auch nach wie vor nur eine verschwindend kleine Gruppe sind (etwa 2% der Türken befürworten die Einführung der "Scharia", der islamischen Gesetzgebung) sind sie doch laut und wahrnehmbar und der Grund für die zunehmende Radikalisierung der gegensätzlichen Positionen. Denn ihr Kampf ist politisch, zielt letztendlich auf den Sturz des Staates und der Einführung eines islamischen Gottesstaates ab. Nur vor diesem Hintergrund läßt sich auch die strikte Vorgehensweise der türkischen Sicherheitskräfte beispielsweise gegen eine verschleierte Parlamentsabgeordnete verstehen. Islamische Kleidung ist in der Türkei in allen öffentlichen Bereichen mit Staatsbezug, im Parlament, in Schulen, in Universitäten verboten und dieses Symbol wird auch verteidigt - weil jede Parlamentsabgeordnete mit Kopftuch, jede Studentin, die verschleiert Einlaß in die Universität begehrt, gleichbedeutend mit einer politischen Demonstration gegen den Laizismus ist.

Zwischen diesen beiden Extrempositionen ist die Bandbreite immens. Es gibt wenig strenge Muslime, die weder 5mal täglich beten noch zwingend jeden Freitag -dem Gebetstag- in die Moschee gehen, die - falls weiblich- statt Kopftüchern schicke Minikostüme und -falls männlich- statt Wollmützchen Designeranzüge tragen, aber trotzdem gläubig sind und religiöse Feiertage einhalten. Es gibt berufstätige, gebildete Frauen, die gerne mal ein Glas Wein trinken und kurze Kleidung tragen - aber 5 mal am Tag beten. Es gibt wiederum auch streng Gläubige, die alle Regeln des Islams strikt einhalten, sich aber trotzdem den kemalistischen Prinzipien des weltlichen Staatsgefüges verpflichtet sehen. Es gibt Frauen, die weniger aus religiösen Gründen als vielmehr aus Tradition Kopftuch tragen. Und letztendlich tragen auf dem Land viele Frauen tagsüber bei der Arbeit auf dem Feld weiße Tücher, die weder islamische noch traditionelle Gründe haben, sondern lediglich als Schutz gegen Sonne und Staub gedacht sind.


Je mehr man in ländliche Gebiete kommt, desto stärker wird der Einfluß der Religion auf das Alltagsleben. So bekommt man in den großen Städten vom Fastenmonat Ramazan kaum etwas mit, das Leben geht weiter wie sonst auch immer, dagegen in den Dörfern sind die Restaurants tagsüber geschlossen und man erntet mit öffentlichem Essen bzw. Rauchen mitunter Mißfallen. Eine Besonderheit des türkischen Islams ist die Verknüpfung mit altem Volksglauben, Zauberei, Weissagungen und allerlei Irrationalem. So hat gerade in der Türkei ein Heiler, der Warzen bespricht, aus der Hand liest und hypnotische Fähigkeiten hat oder eine weise Frau, die im Kaffeesatz liest und für jedes Wehwehchen ein Kräutlein weiß, einen hohen sozialen Status. Hier ist dieses alte Wissen noch viel stärker vorhanden und respektiert, da es auf keinem Scheiterhaufen landete.

Man sollte sich klarmachen: der Islam ist nicht "schuld" an den menschenverachtenden Praktiken! Sehr vieles, was in der Praxis - insbesondere in den sogenannten "Gottesstaaten" als "religiös" verkauft wird, ist in keinster Weise vom Koran oder irgendeinem Glaubenssatz gedeckt, sondern nichts anderes als mit dem Deckmäntelchen der Religion verdeckte Machtgier und Sicherung einer bequemen Männerherrschaft...

So ist die z. B. in Afghanistan praktizierte Unterdrückung der Frauen kein Gebot des Islam, im Gegenteil: Frauen sollen geehrt werden, geschützt und geliebt. Selbst die im Koran dargestellte Aufgabenteilung -der Mann sorgt für den Lebensunterhalt und beschützt die Familie, die Frau erzieht die Kinder und sorgt für die Annehmlichkeiten des Lebens- ist nicht als Einengung der Frauen im Sinne eines Berufsverbotes oder ähnlichem zu verstehen. Vielmehr muß dieses Gebot im Rahmen der damaligen Zeiten - als der Koran niedergeschrieben wurde- betrachtet werden und bezweckt einen Schutz der Frau. Sie, die zu diesen Zeiten nahezu niemals berufstätig war, sollte durch den Mann abgesichert sein ! Nirgends ist ein Berufsverbot für Frauen erwähnt, dies war auch niemals bezweckt....

Bildung ist laut dem Koran für Jungen UND Mädchen eine Pflicht. Genauso wenig darf ein Mädchen zu einer ungewollten Heirat gezwungen werden - in der Praxis sieht das auf dem Lande oft leider noch anders aus... Auch das ist keine islamische Tradition oder gar Vorschrift, sondern eine althergebrachte patriarchalische Machtdemonstration.

Basis
Im Islam gibt es unzählige Rechtsschulen, "Glaubensrichtungen", Ausprägungen. Anders als im Christentum gibt es hier kein "Oberhaupt", das allgemeingültige Weisheiten per se zur göttlichen Wahrheit machen kann - die Gestalt des Papstes muss dem gläubigen Muslim anmuten wie eine Gotteslästerung - denn wie kann ein Mensch unfehlbar sein wie Gott? Die beiden anderen "Buchreligionen", also Judentum und Christentum werden ausdrücklich nicht als "Ungläubige" bezeichnet, sondern nur als Gläubige, die einen falschen Weg genommen haben. Laut dem Koran glauben Christen, Juden und Moslems an den gleichen Gott, den einzigen eben.

Der Islam ist ein echter Volksglaube, der von Land zu Land (und auch innerhalb eines Landes) riesige Unterschiede aufweist. Von den esoterisch-mystischen Sufis (Goethe hegte für sie eine große Sympathie), über fanatische Glaubenskämpfer bis zum stark von Aberglauben und Volksweisheiten durchsetzten "Folkloreglauben" ist alles vertreten.

Basis aller Richtungen des Islam ist der Koran, der allerdings überhaupt nicht mit der Bibel verglichen werden kann. Wichtigster Unterschied ist der Ursprung: während die Bibel über viele Jahrhunderte entstanden, übersetzt, zurückübersetzt, teilweise umgeschrieben und ergänzt wurde, ist der Ursprungstext des Koran und einige der ersten Abschriften noch im Original erhalten. Der Koran kommt direkt von Gott und wurde Mohammed lediglich diktiert. Mohammed wird gesehen in einer Reihe mit Jesus, Abraham, Moses und so weiter - wobei diese als Propheten durchaus im Islam Achtung genießen. Mohammed gilt als "das Siegel der Propheten", als der letzte Verkünder des Glaubens. Neben dem Koran gibt es die "Hadithen", überlieferte Aussprüche und Handlungen Mohammeds, dessen Lebensweise als vorbildlich und nachahmenswert gilt.


Der Islam besteht aus 5 Säulen:

1. Glaubensbekenntnis (Shahâda): "Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer DEM Gott. Muhammad ist der Gesandte Gottes." (Schiiten fügen oft hinzu: "Alî ist der Freund Gottes")
2. Gebet (Salat): fünfmal täglich:
1. bei Sonnenaufgang
2. zur Mittagszeit
3. am späten Nachmittag
4. bei Sonnenuntergang
5. nach Sonnenuntergang
3. Abgabe ("Armen"-Steuer) (Zakat)
Der Betrag wird regelmässig neu festgelegt - ein Mindestbetrag, den jeder Muslim geben sollte. Wer mehr hat, soll mehr geben.
4. Fasten (Saum) im Monat Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
5. Pilgerreise (Haddsch) zur Ka´ba in Mekka - mindestens einmal im Leben

Die beiden großen religiösen Feiertage sind seker bayrami (Zuckerfest) zum Ende der Fastenzeit und kurban bayrami (Opferfest).

Wer weitergehende Informationen
über den Islam haben möchte, dem seien folgende Sites empfohlen: http://www.payer.de.
Dies ist eine private Site eines Österreichers, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine frei zugängliche Bibliothek des Wissens (besonders über Religionen oder Entwicklungshilfe) ins Netz zu stellen - meiner Meinung nach sehr gelungen. Auch die Infos über Buddhismus, Hinduismus, Judentum etc. geben einen sehr guten Überblick.

http://www.koran.de
Der deutschsprachige Text mit Suchfunktion. Kann als "Hilfe"-Bibliothek ins Windowsverzeichnis geladen werden und offline gelesen.

http://www.muslim.de
Die Site des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Viele externe Links zum Thema.
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Informationen
bekannte Wortvarianten: Moslem,Muslime,Religion,Islam,islamisch

Datum: 08.10.2008 - 12:48 Uhr
Autor: Martina


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